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Wir wandern in den Knast

Am Samstag, 18. Mai, trafen sich Mitglieder und Freunde der Arge Weinheim am alten OEG-Bahnhof, um mit der Straßenbahn nach Heidelberg zu fahren. Am Bismarckplatz wurde in den Bus umgestiegen und direkt zum ,,Faulen Pelz“, dem ehemaligen Untersuchungsgefängnis, gefahren. Nach kurzer Wartezeit vor dem Eingang kamen unsere beiden Führerinnen. Bevor die eigentliche Führung durch das Gefängnis anfing sind wir erst um das Gebäude herumgegangen und haben einiges über seine Geschichte erfahren. Das Gefängnis in Heidelberg war eine Außenstelle der Justizvollzugsanstalt Mannheim. Es war zuständig für die Untersuchungshaft von männlichen und weiblichen erwachsenen Gefangenen. Es wurde 1847/48 von Ludwig Lendorff aus rotem Sandstein erbaut. Ludwig Lendorff (*1808 in Karlsruhe; †1853 in Heidelberg) war ein deutscher Architekt und Baubeamter, der im Dienst des Großherzogtums Baden stand. Von 1845 bis zu seinem Tod im Jahr 1853 war er Bezirksbaumeister in Heidelberg. Der östliche Parallelbau kam 1911 dazu. Platz war für 120 Gefangene. Es waren immer mehr Männer als Frauen im Gefängnis. 2015 wurde das Gefängnis geschlossen, da es nicht mehr zeitgemäß war. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz. Nach diesen Informationen „wanderten wir in den Knast“. Das Erste, was auffiel, war die Dunkelheit. Obwohl draußen helllichter Tag war, drang das Sonnenlicht nur gedämpft herein. Die Augen brauchten ein paar Sekunden, ehe sie sich an das Zwielicht im Flur gewöhnt hatten. Es ist nicht so, dass man nichts sehen würde, aber es ist doch dämmriger als draußen. Und kühler.

Wie ein Klotz liegt er vor uns: der "Faule Pelz" in Heidelberg

 

 

Erleichtertes Lachen danach: die Freiheit hat uns wieder

 

 

Meterhohe, dicke Steinmauern trennen einen hier von der Außenwelt. Das Licht fällt durch schmale, vergitterte Fenster. Die Türen sind aus Eisen, die Wände kahl, und wer hinausschaut auf die Mauer, sieht eine Krone aus Stacheldraht. Das ist er also: der "Faule Pelz“. Das Erste, was auffiel, war die Dunkelheit. Obwohl draußen helllichter Tag war, drang das Sonnenlicht nur gedämpft herein. Die Augen brauchten ein paar Sekunden, ehe sie sich an das Zwielicht im Flur gewöhnt hatten. Es ist nicht so, dass man nichts sehen würde, aber es ist doch dämmriger als draußen. Und auch kühler.

Start der Führung war am Empfang, an dem früher Besucher und Anwälte alles abgeben und in Schließfächern deponieren mussten. Vorbei ging es anschließend an den ehemaligen Besucher- und Ärztezimmern in den Hof für den Freigang der Frauen, in dem sie Blumen anpflanzen konnten. Jetzt gingen wir einige Treppen hoch zu den Zellen der Männer. Eine Zelle ist noch beispielhaft möbliert, alle anderen sind leer. Wir waren sehr überrascht wie klein und eng die Zellen waren. Zum Teil standen früher sogar Stockbetten drin. Zwei Menschen auf so engem Raum können wir uns heute kaum noch vorstellen. Nun ging es wieder hoch in den Frauentrakt. Die Zellen waren identisch, aber als klar war, dass das Gefängnis geschlossen werden sollte, erlaubte man den Frauen noch, die Zellentüren zu bemalen. Das sah dann nicht mehr so trist aus. Die nächste Station war der Hof, in dem die Männer Freigang hatten. Hier waren nur nackte Wände, kein grünes Fleckchen. Als das Gefängnis noch in Betrieb war hingen ein paar Basketballkörbe an der Mauer. Die Männer konnten auch in der Küche oder der Wäscherei arbeiten oder kleinere Auftragsarbeiten erledigen. Zum Abschluss besichtigten wir noch die Küche. Die Führung war sehr interessant, aber alles war sehr düster, da überall nur kleine vergitterte Fenster waren. Wir waren froh, nach fast zwei Stunden das Gefängnis wieder zu verlassen. Bei strahlendem Sonnenschein ging es hinab in die Stadt zum Kaffee trinken. Zurück auf dem Weg zur OEG fing es noch an zu regnen, doch zufrieden und voller neuer Eindrücke fuhren wir nach Weinheim zurück.

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